11.10.2012

Ars vivendi im Kontext des Privaten



Unbekümmertes Traditionsbewusstsein des Hier trifft auf provokative Ansichten des Materiellen im Jetzt: Kunst im Haus. 
Davon kündet auch der vorab erschienene Ausstellungskatalog „Topflappen-Hits“, der nicht nur den schwierigen Spagat zwischen fundierter Grundsätzlichkeit, sondern auch den verheißungsvollen Aufbruch in neue, dissonante Sphären dokumentieren möchte. So wartet bereits der der Titel mit der schon jetzt kontrovers diskutierten Ankündigung „Neue Ideen“ auf: Gezielter Affront oder modernes Selbstbewusstsein? Im Nachsatz dann folgerichtig auch „Häkeln & Stricken im Trend für die Küche“: wird hier –spätestens seit Beuys- endgültig ein neuer Versuch zur generellen Implementierung hochdemonstrativer Kunst im semiprivaten So-Sein gewagt? Ein spannender, wenn auch kontroverser Vorstoß. Zeigt doch bereits die Abbildung des 1995 von Edda Runken kreierten Werks „2 Frösche im privatpolitischen Raum“ dem kritischen Betrachter förmlich die lange Zunge. Daneben –plakativ und doch wirkungsvoll- Vincente Brettberts „Schneebesen Nr. 7“, der quasi per definitionem den herrschenden Kunstbetrieb als affektierte Schaumschlägerei entlarven möchte. Hiervon kündet auch die Installation „Profanes Esswerkzeug auf gelbgerandetem Teller (Metall auf Keramik)“ von Sigurna Nepf; das Milieu des scheinbar gelassenen Bonvivants: abgeschmackt und abgefrühstückt? Hoffnung jedoch signalisiert das Werk des Griechen Atanatius Stalagnotopulos: Sein „Bunter Salat in einfacher Schale“ signalisiert belebende Frische im oftmals agoniden Kunstbetrieb gelangweilter Bohêmiens.
Fazit: Auch auf längere Sicht wird der öffentliche Diskurs die spekulative Art privée bestimmen. Wird diese vorweggenommene Inthronisierung gesellschaftlicher Normenkunst als strukturelle Sein-Bereicherung oder aber als unbedingte Verneinung postgesellschaftlicher Normenrealitäten wahrgenommen werden? Dies ist die kunstpolitische Rahmenkontroverse des kommenden Jahrzehnts. 

Kommentare:

  1. Die Welt der Kunst wird auf ewig für Dich verschlossen bleiben!

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  2. Ich könnte aber nach "Topflappen-Hits", in einem froschgrünen Kostüm, in der Küche tanzen. Das ist eine Kunst.

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